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Psychische Störungen beim Hund

by in Uncategorized 13/04/2021

Ein Beitrag von Karin Gummerer )Studentin der Dharma-Academy)

Die größte Schwäche der Menschen liegt in seiner Arroganz. Immer noch hängen viele am cartesianischen Weltbild fest und weigern sich, Lebewesen Gefühle und damit auch psychischen Störungen zuzugestehen!

Die Diskrepanz und Arroganz der Menschen bestätigt sich in den Laboren, wo an lebenden Tieren Medikamente, Cremes usw. getestet werden! Wir wissen, dass sämtliche Psychopharmaka an Tieren erprobt werden! An Tieren, die angeblich keine Psyche haben!? Schmerzmittel werden an Ratten erprobt und dann wird behauptet, dass Tiere keine Schmerzen empfinden können. Wem erschließt sich hier die Logik?

1994 erscheint ein Buch vom Neurologen und Hirnforscher Antonio Damasio, wo er auf den Zusammenhang von Geist und Psyche hinweist ( „Descartes Irrtum“ 1994) Das Buch war ein voller Erfolg. Die Rückkehr der Gefühle in die Welt der Wissenschaft hat die Tierforschung und auch das gesamte Bild von Mensch und Tier verändert. Gerhard Roth, ein Bremer Hirnforscher, sagt, dass Gefühle das gesamte Denken dominieren, beim Menschen und auch beim Tier. Jaak Panksepp, Neurobiologe (1943 – 2017), ist einer der bekanntesten Forscher auf diesem Gebiet. Er hat sich intensiv mit den Emotionen von Tieren beschäftigt und auch mit der Übereinstimmung der Gehirnfunktionen von Menschen und Tieren.

Marc Bekoff („Das Gefühlsleben der Tiere“, Bernau 2008), Verhaltensbiologe, nennt ein Vielfalt an Beispielen von Emotionen, die nicht nur uns Menschen vorbehalten sind: Liebe, Wut, Respekt, Verzweiflung, Kummer, Trauer, Erleichterung, um nur einige zu nennen.

Für die Skeptiker unter uns: Emotionen wie Angst oder Freude können mittlerweile über die Hormone chemisch nachgewiesen werden.

Mittlerweile weiß man also sehr viel über das Gefühlsleben von Tieren. Tatsächlich müsste es einfacher sein, Emotionen bei Tieren zu lesen als bei Menschen. Tiere filtern sie nicht, ihnen stehen ihre Emotionen ins Gesicht geschrieben, sie zeigen sie ungeschminkt wie kleine Kinder.

Unser Wissen hat sich verändert und so sollte sich auch unsere Beziehung zu Tieren verändern. Wir müssen uns mit der Tatsache auseinandersetzen, dass Tiere Leid erfahren, dass sie Schmerz empfinden, dass sie psychisch leiden, dass sie an psychischen Störungen erkranken können und dazu ein Recht haben! Dass man nach den Ursachen sucht und ihnen hilft und sie nicht wie Maschinen behandelt, wo man einen Schalter umlegt und sie funktionieren wieder.

Um psychische Erkrankungen verstehen zu können, beschäftigte ich mich im Umkehrschluss mit der Frage, was ist psychische Gesundheit?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert psychische Gesundheit als einen ,,Zustand des Wohlbefindens, in dem der Einzelne seine Fähigkeiten aus-schöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv und fruchtbar arbeiten kann und imstande ist, etwas zu seiner Gemeinschaft beizutragen“.

Psychische Gesundheit ist also mehr als nur die Abwesenheit einer Krankheit oder einer Störung. Psychische Gesundheit ist ein Zustand des Wohlbefindens, in dem das Individuum seine Fähigkeiten und Potentiale nutzen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten kann und imstande ist, etwas zu seiner Gemeinschaft beizutragen.

 

Kinder sollten ein positives Selbstkonzept entwickeln können sowie die Fähigkeit mit Gedanken und Gefühlen umzugehen und soziale Beziehungen aufbauen, Fähigkeiten erlernen, um eine Teilhabe in der Gesellschaft zu ermöglichen.

Hunde sind mental und psychische Kindern von ca 2,5 bis 4 Jahren gleichzusetzen, sagte der Psychologe Stanley Coren von der University of British Columbia in Vancouver auf der Jahrestagung der American Psychological Association in Toronto. Hunde sind dem Menschen in ihrer geistigen Leistungsfähigkeit ähnlicher als gedacht. Sie können zählen, betrügen und bis zu 250 Wörter unterscheiden.

Wenn wir Obengenanntes auf unsere Hunde übertragen, bedeutet psychische Gesundheit für unsere Hunde übersetzt Folgendes:

Laut Martin Seligmann (Amerikanischer Psychologe) ist ein entscheidender Faktor, der zum Erreichen von Wohlbefinden beiträgt, das regelmäßige Erleben von positiven Emotionen wie:

  • Dankbarkeit

  • Zufriedenheit

  • Befriedigung

  • Hoffnung

  • Liebe & Freunde

  • Vergnügen und Genuss

  • Training von Stärken statt Korrektur von Schwächen

Freude, Heiterkeit, Interesse, Liebe, Zufriedenheit, Stolz wirken erweiternd.  Ängste, Zorn und Ärger bringen Einschränkungen mit sich.

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Die Frage lautet nun: können wir dies unseren Hunden ermöglichen? Wie erreicht ein Hund Zufriedenheit, Befriedigung, Liebe, Vergnügen, Training von Stärken? Im Grunde ist es simpel, aber nicht leicht. Wie schaut ein zufriedener Hund aus? Das ist ein Hund, dessen Bedürfnisse befriedigt wurden. Dazu gehören nicht nur das Essen und Trinken, sondern auch das Bedürfnis nach Schutz, nach Sicherheit, nach Zuneigung, nach Liebe, nach Verständnis, nach Partizipation, nach Muße .

Die Nutzung der eignen Fähigkeiten und Potenziale soll mir erlauben von meinen Fähigkeiten, von meiner Ausgangslage, von meinen Interessen ausgehend das Leben zu leben. Dazu gehört auch, dass ich von meinen Kompetenzen ausgehend lernen kann. Lernen ist nicht nach dem cartesianischen oder behavioristischen Weltbild zu sehen, also auf einen Reiz folgt eine Reaktion, sondern, dass das Individuum selbst nach Lösungen suchen darf, selbst Probleme lösen darf, selbst seine Umwelt erkunden und kennenlernen darf, selbst Erfahrungen sammeln darf und all diese gesammelten Daten mit den bereits vorhandenen in Verbindung bringen darf.

Soziale Beziehungen leben dürfen, indem ich mir meine Freunde selbst aussuche und nicht mit jenen Vorlieb nehmen muss, die für mich ausgesucht werden.

Als Letztes wird die Teilhabe in der Gesellschaft/Gemeinschaft genannt. Darunter verstehe ich, dass Hunde im Familienverband leben dürfen, dass sie als ein Teil dieser wahrgenommen und auch respektiert werden. Dass sie einen Platz eingenommen haben, der ihnen nicht streitig gemacht werden darf. Ein Platz, wo sich der Hund zu 100% zuhause fühlen kann, wo er nicht ständig beweisen muss, gut genug zu sein, wo seine Bedürfnisse gesehen und auch respektiert werden, wo er als ein Individuum mit seinen Fähigkeiten und Stärken gesehen wird.

Wenn wir all dies berücksichtigten, gäbe es keine psychisch kranken Hunde. Die Realität zeigt ein anderes, wesentlich düsteres Bild:

  1. Hunde mit Depressionen,

  2. Hunde mit Angststörungen/Panikattacken

  3. Hunde mit PTBS

  4. Hunde mit Zwangsstörungen

  5. Hunde mit Burnout

  6. Somatoforme Störungen

 

  1. Hunde mit Depressionen

Ich finde, dass die Depression als Krankheitsbild leider bei Hunden häufig übersehen wird. Zuerkannt werden ihm zwar das Gefühl der Trauer (dazu gibt es ja viele Berichte und auch Verfilmungen), vielleicht auch noch depressive Verstimmungen, die Krankheit Depression aber leider nicht.

Wir sprechen hier nicht von einem momentanen, situativen Stimmungstief. Eine Depression muss mindestens 14 Tage auftreten, um als Krankheit zu gelten.

Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Trägheit, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen, aber auch erhöhtes Schlafbedürfnis, Atemnot, Lustlosigkeit, Teilnahmslosigkeit, Schlappheit, leerer Blick, schlaffe Körperhaltung, Appetitlosigkeit, müder Gang beim Spazierengehen, aber auch Reizbarkeit, Hibbeligkeit und andere körperliche Beschwerden können möglich Symptome einer Depression sein.

Die Ursachen einer solchen Krankheit sind sehr vielfältig. Alle oben genannten Punkte und deren nicht Befriedigung tragen wesentlich dazu bei, dass Hunde sich in sich selbst zurückziehen, in eine eigene innere Traurigkeit flüchten und so langsam ihr Leben aufgeben.

Natürlich spielt auch eine gewisse genetische Disposition eine Rolle, vermehrt aber sind äußerliche Umstände für das Auftreten einer Depression verantwortlich.

Krankheiten, die Schmerzen oder motorische Einschränkungen mit sich bringen, zu viel Beschäftigung, Stress, Überforderung und Unruhe, zu wenig Beschäftigung, Einsamkeit, Unterforderung und Langeweile, Arbeitshunde, die plötzlich nicht mehr gebraucht werden, sind mögliche Ursachen einer Depression.

Aber auch ein nicht behandeltes Trauma kann eine Ursache sein. Der Tod eines Familienmitglieds, ein Umzug, ein Kampf mit einem Hundekumpel, ein traumatischer Tierarztbesuch, ein Unfall, eine Misshandlung können Traumata auslösen. Werden diese nicht behandelt, kann der Hund sich in eine Depression flüchten.

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  1. Hunde mit Angststörungen

Die Angststörung ist ein Sammelbegriff für Störungen, bei denen übertriebene Angst im Vordergrund steht. Angst gehört im Leben dazu und schützt die Tiere und uns vor gefährlichen Situationen. Steht diese Angst aber in keinem Verhältnis zur auslösenden Situation, spricht man von einer Angststörung. Wir unterscheiden zwischen Panikstörungen/generalisierter Angststörung und einer sozialen Angststörung.

Ist ein Hund noch körperlich und psychisch in der Lage auf einen für den Moment gefährlichen Reiz zu reagieren, sprechen wir von Furcht.

Angst kann ihn aber so sehr lähmen, dass er erstarrt und er die Situation als ausweglos betrachtet. Er dissoziiert, das heißt, er steht neben sich.

Körperliche Symptome können wiederrum sehr vielfältig sein: speicheln, hecheln, Kurzatmigkeit, erhöhter Pulsschlag, Herzfrequenz steigt, Harn- und Kotabsatz sind nicht mehr regulierbar, Pupillen verändern sich, Schwitzen an den Pfoten, Todesangst, Schwindel, das Gefühl sterben zu müssen, nicht mehr zu können, trockener Mund, Hilflosigkeit, Ausgeliefertsein, keine Kontrolle mehr zu haben.

Die Tiere haben irgendwann Angst vor der Angst und diese beeinträchtigt das Leben der Betroffenen sehr. Der Hund wird ständig auf der Hut sein und auf minimalste Reize seiner Umgebung reagieren. Da ist immer ein Hauch von Vorahnung und übersteigerter Wachsamkeit mit dabei. Die Hunde sind in einer ständigen Verteidigungshaltung. All dies wirkt sich auf den Körper aus und kann sich durch Erbrechen, Durchfall, dauerndes Fressen oder Trinken, Pfoten lecken usw äußern.

Depression und Angst treten häufig gemeinsam auf. Die ständige Angst und das Gefühl nicht mehr Herr seines Lebens zu sein, kann wesentlich dazu beitragen, an einer Depression zu erkranken.

Ursachen können vielfältig sein:

Genetische Disposition, eine ängstliche Mutter, eine ängstliche Bezugsperson, eine reizarme Aufzucht, eine plötzliche Tierheimunterbringung, Straßenhund wird in eine neue Umgebung zwangsuntergebracht usw usw.

Wiederrum kann auch ein Bezug zu Traumata hergestellt werden. Ein überwältigendes Erlebnis, das nicht aufgearbeitet ist, kann eine Angststörung auslösen. Wir wissen, dass das limbische System Gerüche, Geräusche, Bilder, Farben, Töne usw speichert. Kommt nun der Hund mit so einem Sinneseindruck in Berührung, kann es zu einer Angstattacke führen.

  1. Hunde mit PTBS

Einer PTBS gehen immer Traumata voraus. Der Hund hatte ein, für ihn, schlimmes Erlebnis und es ist ihm nicht gelungen, es zu verarbeiten. Er muss es nicht mal selbst erlebt haben, es genügt, dass er es gesehen hat. Die PTBS tritt innerhalb von einem halben Jahr nach dem Erlebten auf und es kommt zu den unterschiedlichsten Symptomen.

Ursachen von Traumata sind vielfältig: Misshandlungen, Vernachlässigung, zu frühe Trennung von der Mutterhündin, Tierarztbesuch, Kampf, Mobbing, ständiges „Übersehen – werden“….

  1. Hunde mit Zwangsstörungen


Zwangsstörungen sind Handlungen, die ständig wiederholt werden, z.B. Schwanzjagen, Pfoten lecken, Deckensaugen, im Kreis laufen usw. Alles wirkt, von außen betrachtet, sehr monoton.

Wir unterscheiden zwischen Stereotypen und Zwangsstörung. Der Unterschied liegt in der Zielgerichtetheit der Handlung. Ersterer hat kein Ziel, eine Zwangsstörung hat ein eigentliches Ziel.

Zwangserkrankung des Hundes werden oft erst erkannt, wenn der Hund bereits schwere Symptome zeigt, sich beispielsweise selbst verletzt oder keine Ruhe mehr findet.

Grundsätzlich sollte man hellhörig werden, wenn der Hund seine „Marotte“ oder Angewohnheit immer öfter zeigt und sich immer weniger davon ablenken lässt, denn Zwangsstörungen werden mit der Zeit meist schlimmer. In schweren Fällen kann der Hund sein Verhalten überhaupt nicht mehr kontrollieren. Selbst Schlaf, Futteraufnahme, Erkundungs- und Sozialverhalten werden durch die Zwangsstörung unterbrochen.

Die Ursachen für eine Zwangsstörung liegen hauptsächlich bei den Haltungsbedingungen. Einmal durch eine fehlende sichere Bindung, durch eine unbewusste Unterstützung des anfänglich gezeigten Verhaltens (wer kennt nicht die Videos, wo ein Hund seinem Schwanz hinterherläuft und alle lachen!), durch Stress, durch fehlende Liebe, durch mangende Aufmerksamkeit. Vielfach versucht der Hund, durch seine monotonen Handlungen sich selbst zu beruhigen und sich Sicherheit vorzutäuschen. Auch wird das Verhalten selbstbelohnend und es kommt zu einer vermehrten Dopamin Ausschüttung im Gehirn.



  1. Hunde mit Burnout

Der Begriff «Burn-out» kommt aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum und bedeutet wörtlich «ausbrennen» oder «ausgebrannt sein». Betroffene sind körperlich wie seelisch chronisch erschöpft. Es fehlt an Energie und Motivation.

Auch beim Hund spricht man mittlerweile von Burnout. Viele Hundebesitzer meinen für ihren Hund das Beste zu tun, indem sie ihn in die Welpengruppe, das Agility-Training, die Sportgruppe bringen. Sie meinen täglich 2 bis 3 Stunden spazieren gehen zu müssen und sie nehmen ihren Hund überall mit. Also Action ohne Ende.

All die begünstigt Burnout. Chronische Übermüdung oder Überbeanspruchung sind die Ursache. Die vorher gesendeten Signale werden meist übersehen, wie der Hund wirkt erschöpft und müde, verminderte Belastbarkeit, auch exzessives Lecken zum Stressabbau, ständiges monotones Bellen, Unruhe usw. Wird dort nicht reagiert, kann der Hund in Depression verfallen, Panikattacken können hinzukommen, Hautprobleme, Schmerzen in den Gelenken usw.

Burnout gefährdet sind besonders Hunde von Menschen, die mit ihren Tieren Sport – und Wettkämpfe bestreiten. Aber auch „normale“ Haushunde sind heute vielfach betroffen. Die Reize, denen sie ausgesetzt werden, nehmen ständig zu. Auch Tierschutzhunde werden, wenn sie zu uns gebracht werden, völlig überrollt und es wird ihnen nicht die Zeit gegeben, anzukommen.

Die Kommunikation des Hundes wird von Seiten des Menschen oft völlig missverstanden und unterdrückt. Knurren bedeutet bei den meisten „gefährlich“ und wird unterbunden. Passieren solche Unterdrückungen öfters, kann auch hier ein Burnout begünstigt werden.

Natürlich kann auch hier ein nicht verarbeitetes Trauma mitwirken. Die ständige körperliche Angespanntheit, der erhöhte Corisolwert, das nie zur Ruhe kommen, können wesentlich zu einem Ausbruch eines Burnouts beitragen.



  1. Somatoforme Störungen

Alle körperlichen Beschwerden, die keine organische Ursache haben, werden als somatoforme Störungen bezeichnet. Müdigkeit, Schmerzen überall im Körper, Schwierigkeiten mit der Verdauung, Durchfall, Verstopfung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind mögliche Beschwerden.

Diese Störungen treten häufig in Verbindung mit anderen Störungsbildern, wie Depressionen, Angststörungen und PTBS auf.

Bei allen physischen Störungen sollte man niemals den Einfluss und die Möglichkeit der Übertragung vom Halter auf den Hund außer Acht lassen.

Zudem müssen im Vorfeld alle organischen Ursachen abgeklärt werden.

Der Kreis schließt sich. Die nicht befriedigten Bedürfnisse eines Hundes, die nicht artgerechte Haltung, die Missverständnisse in der Kommunikation, das nicht Zugestehen von Gefühlen und deren sträfliche Missachtung kann beim Hund psychische Erkrankungen begünstigen.

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