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Posttraumatische Belastungsstörung

by in Uncategorized 03/02/2021

Wie Welpen zu einer posttraumatischen Belastungsstörung kommen...

Ein Artikel von Christiane Busch (Studentin der Dharma-Academy)

Der Welpenhandel in Deutschland boomt und leider wissen viel zu wenig Menschen, was dieser „Welpenhandel“ für schlimme Auswirkungen auf die Tiere und ihr Leben hat. Viele Tiere sind traumatisiert.

Doch leider erkennt dies oft niemand. Der Mensch ist verwundert wenn doch dieser niedliche kleine Welpe plötzlich unter Herz-Kreislaufbeschwerden, Magen-Darm-Beschwerden oder sogar schon unter Depressionen leidet, die oftmals vom Tierarzt nicht erkannt werden.

Dauern diese Symptome über einen längeren Zeitraum an spricht man von einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Kommt es zu keiner Behandlung besteht die Gefahr, dass diese PTBS chronisch werden kann. Welche Ursachen und auch Auswirkungen diese PTBS haben kann, soll folgende Geschichte verdeutlichen:

 

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Eine Mutterhündin lebt mit anderen Hündinnen in einem dunklen Stall und produziert regelmäßig Nachwuchs welcher dann für wenig Geld bei Ebay verkauft wird. Einer dieser kleinen Welpen ist Fritzchen. Fritzchen wächst 6 Wochen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern in einem dunklen Stall auf. In dem Stall gibt es nichts außer den kalten Boden und ein paar Trinknäpfen. Kein Körbchen, kein Stroh..einfach nichts. Es klappert überall und die kleinen verkriechen sich ängstlich zu ihrer Mama. 2 Mal am Tag kommt ein großer Mann polternd in den Stall hinein. Oft schreit er Fritzchen und die anderen kleinen an. Sie sollen aus dem Weg gehen. Dabei verpasst er ihnen auch mal einen Fußtritt oder nimmt sie ruckartig hoch und wirft sie zur Seite. Eines Tages kommt dieser große Mann in den Stall und reist Fritzchen und seine anderen 4 Geschwister von der Mutter weg und packt alle zusammen in eine dunkle Box. Was Fritzchen nicht weiß: an diesem Tag hat Fritzchen seine Mutter das letzte Mal gesehen….

Fritzchen hat große Angst, denn er weiß nicht, was gerade mit ihm und den anderen passiert. Er ruft nach seiner Mutter doch diese ist nicht mehr da. Er kann nicht weglaufen, denn die Box ist geschlossen. Wie erstarrt liegt er in seiner Box…er fühlt sich total hilflos und versteht die Welt nicht mehr….

Ein paar Stunden später…er sitzt immer noch in dieser dunklen Box als es plötzlich hell wird. Er hört die Stimmen einiger Menschen und plötzlich wird seine Box aus dem Auto geholt und auf die Erde gestellt. Er sieht ganz viele fremde Menschen, die ihn und auch die anderen Geschwister anschauen und reden. Fritzchen macht sich so klein wie möglich und bewegt sich nicht doch das Gitter seiner Box wird geöffnet und der kleine Welpe wird gepackt und landet in den Armen einer jungen Frau. Diese spricht in ruhigem Ton mit ihm und setzt ihn nach ein paar Minuten zurück in die Box. Fritzchen und seine anderen Geschwister werden in ein anderes Auto verladen und nach kurzer Fahrt kommen sie an. Fritzchen sieht ein Schild: Tierheim. Die junge Frau von vorhin nimmt ihn und die anderen Welpen und trägt die 5 in ein helles warmes Zimmer. Die kleinen werden mit Futter und Wasser versorgt und nach und nach werden sie untersucht. Körperlich sind sie gesund.

Fritzchen schläft in den ersten Tagen viel aber schlecht. Dabei träumt er oft ganz schlimme Dinge. In seinem Traum durchlebt er alles noch einmal. Er sieht seine Mama und er weint. Dann wird er plötzlich grob gepackt von diesem großen Mann mit der dunklen Stimme und von seiner Mama getrennt. Sein Körper zittert im Schlaf…

Er und seine Geschwister sind nun schon über 2 Monate im Tierheim und die Menschen dort kümmern sich liebevoll um die kleinen 5 doch Fritzchens Zustand wird und wird nicht besser. Er hat oft Bauchschmerzen und Erbricht. Sein ganzer Körper ist extrem verspannt. Manchmal, wenn er zu schnell hoch genommen wird, fängt er an zu schreien. Er fühlt sich dann zurück versetzt in den Moment, wo dieser Mann ihn und seine Geschwister grob gepackt und einfach mitgenommen hat. Kommt ein männlicher Tierpfleger in sein Zimmer rennt er panisch weg und versteckt sich. Auch seine Alpträume hören nicht auf. Dann ist alles wieder da: das Erlebte. Fritzchen weiß zwar, dass das Geschehene vorbei ist aber er kann seine Gefühle einfach nicht kontrollieren. Er versucht, alles was ihn an das Erlebte erinnert zu vermeiden. Sein Kopf spielt förmlich verrückt; er kann sich kaum konzentrieren wenn die Tierpfleger mit ihm spielen. Das alles wird ihm zu viel und er zieht sich immer mehr zurück. Fritzchen leidet unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung.

Aber was bedeutet dies? Fritzchen hat durch seine schlimmen Erfahrungen beim Heranwachsen in diesem dunklen Stall (man kann von Vernachlässigung, Misshandlung sprechen) sowie auch der viel zu frühen Trennung von seiner Mutter ein Trauma erlitten.

Zu einer Traumatisierung kommt es, wenn ein Ereignis die Belastungsgrenzen des Individuums, in unserem Fall von Fritzchen, übersteigt und er dieses Erlebte nicht oder nicht richtig verarbeiten kann.

Bei einem Trauma passiert nun folgendes: der Körper des Hundes wird förmlich von Botenstoffen im zentralen und peripheren Nervensystem überschwemmt. Durch diese Überschwemmung wird der Verarbeitungsprozess im Gehirn gestört. Die Informationen, die durch die Sinne aufgenommen werden, werden durch den Thalamus nicht mehr gefiltert sondern direkt verarbeitet und gelangen auf dem direkten Weg in die Amygdala.

Die Amygdala, die für die emotionale Bewertung zuständig ist im Gehirn, kommuniziert nicht mehr mit dem Hippocampus (zuständig für die kategoriale Einordnung sowie auch Verzeitlichung).

Das bedeutet, dass die vollständige Zuordnung des Erlebten im Zusammenhang mit der äußeren Realität im Hippocampus nicht mehr stattfinden kann. Es besteht keine Erinnerung an die konkrete reale Situation. Resultat: die traumatische Erfahrung, die Fritzchen machen musste, hängt nun im Nervensystem (in der Amygdala) fest.

Nach einem traumatischen Erlebnis leidet der Hund zunächst unter einer akuten Belastungsstörung. Fritzchen kann seine Emotionen und die Erregung nicht mehr regulieren und es kann zu Stimmungsschwankungen kommen. Bereits jetzt stellen sich körperliche Symptome wie z.B. Magen-Darm-Beschwerden, Rücken- und Muskelverspannungen etc. ein. Psychische Symptome können sein: Entwicklung von Ängsten, Nervosität, Reizbarkeit sowie auch Schlafstörungen. Dadurch, dass die Amygdala die traumatischen Erinnerungen abgespeichert hat, kommt es durch sogenannte Trigger (= Auslösereize) zu Nachhallerinnerungen (auch Intrusion genannt). In unserem Beispiel ist solch ein Trigger z. B. das plötzliche Hochheben des Welpens; aber auch schon die pure Anwesenheit des männlichen Tierpflegers. Der Welpe fühlt sich wieder zurück in das Ereignis versetzt und durchlebt es immer wieder (Flashbacks) Kann Fritzchen das Erlebte nicht in einer angemessenen Zeit verarbeiten (ca. 1-2 Monate nach dem Erlebten) kommt es zu einer PTBS. Die Symptome sind die gleichen wie bei der akuten Belastungsstörung.

Wird diese PTBS nicht behandelt, besteht die Gefahr, dass sie chronisch wird. Des weiteren leidet der Hund sein Leben lang unter einer ständigen Übererregung.

Folge: Die Katastrophe ist eine Endlosschleife des Leides

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