Impulskontrolle?

by in Uncategorized 25/10/2020

Der Begriff der Impulskontrolle stammt aus der Humanpsychologie und bedeutet: Beherrschen von unmittelbar aufkommenden oder zur Gewohnheit gewordenen Bedürfnissen, Trieben oder Wünschen, Unterdrücken von Impulshandlungen. Eine Impulskontrolle geht immer einher mit Frustation. Je häufiger ein Individuum seine Impulse kontrollieren muss, oder schlimmer, je häufiger sie von AUSSEN kontrolliert werden, umso größer ist die Gefahr einer Störung der Impulskontrolle:

Von einer Störung der Impulskontrolle spricht man, wenn ein Individuum unter einem unangenehmen Anspannungszustand leidet und diesen mit einem impulsiven Verhalten auflöst.

Die Handlungen wiederholen sich völlig unmotiviert. Sie können auch nicht kontrolliert werden. Das Individuum wird aggressiv – gegenüber anderen oder sich selbst.

Diese aggressive Handlung wird zwanghaft, ist vom Individuum nicht zu steuern und braucht keinen unmittelbaren Auslöser.

Das sollte man bei der Impulskontrolle des Hundes ständig vor Augen haben

In der heute so angesagten methodischen Hundehaltung werden häufig Begriffe aus der Psychologie verwendet und dann ohne Sinn und Verstand auf den Hund in übertriebener Form übertragen. So muss man sich zunächst einmal fragen, was ein Impuls überhaupt ist, bevor man zur „Impulskontrolle“ kommt.

Definition Impuls: Ein Impuls ist ein plötzlicher Antrieb, meist als Reaktion auf einen überraschenden äußeren Reiz, aber oft auch ohne erkennbaren Anlass. Impulse können so stark sein, dass sie unvernünftige Handlungen auslösen. Die Kontrolle des Verstandes wird dann entweder gar nicht eingeschaltet oder doch überrannt. Individuen, die zu Kurzschlusshandlungen neigen, folgen damit einem bestimmten Temperament, oder es handelt sich um unausgereifte Persönlichkeiten. Der scheinbar unvermittelte Impuls ist ein Durchbruch aufgestauter Gefühlsbedürfnisse, die infolge ihres Druckes oder auf einen herausgeforderten Reiz hin unwiderstehlich geworden sind.

Bei Hunden haben wir es mit unausgereiften Persönlichkeiten zu tun, sie sind wie Kinder und auch so zu behandeln. Wichtig ist, dass es sich um einen Durchbruch aufgestauter Gefühlsbedürfnisse handelt, was bedeutet, dass ein Manko an Bedürfnissen, emotionalen Grundbedürfnissen, vorliegt. Voraussetzung ist also, zunächst einmal diese zu befriedigen. Wenn ich in diesem Zusammenhang die Methoden zur „Impulskontrolle“ diverser Hundetrainer lese oder höre, fällt mir nur auf, dass alle Methoden lediglich dazu angetan sind, weiteres Vertrauen des Hundes zu verlieren und extremen Frust aufzubauen. Ich greife hier einmal nur ein zufälliges Beispiel heraus:

Damit der Hund die Impulskontrolle behält, müssen Sie mit ihm bestimmte Übungen trainieren. Diese Übungen haben das Ziel, dass der Hund lernt, die äußeren Reize besser zu Filtern und zu ignorieren. Verwenden Sie für die Übungen eine Reizleine – an dieser befestigen Sie einen Dummy (irgendein Spielzeug). Versucht sich der Hund zu bewegen, so geben Sie ihm den Befehl “Bleib“, den er nach der Grunderziehung einfach beherrschen sollte. Üben sie so lange, bis der Hund mit seinen Gedanken bei Ihnen bleibt. Will er zu dem Spielzeug so bekommt er wieder den Befehl „Bleib“. Erst wenn der Blick des Tieres bei Ihnen bleibt dürfen Sie den Befehl „Bring“ geben. Für den Hund ist es harte Arbeit sich zurück zu halten.

  Was erreicht man durch ein solches Training? Der Hund lernt, dass er betrogen (vera…) wird. Er lernt, dass er reinen Befehlen zu gehorchen hat, ohne den Sinn des Ganzen auch nur annähernd zu verstehen. Das Ergebnis ist letztendlich nichts als Frust, denn selbst wenn er endlich zu dem Spielzeug hin darf, muss er es für seinen „Herrn und Meister“ lediglich apportieren und hat nichts davon. Das ist keine Impulskontrolle, das ist schlicht Unsinn und zeugt von wenig Verstand des Menschen. Hier reicht der Verstand des Trainers nicht einmal so weit, sich über die Folgen des Handelns (genannt Training) im Klaren zu sein. Ähnlich geht es mit allen angepriesenen Übungen und Methoden zur angeblichen „Impulskontrolle“.

Ähnlich geht es mit allen angepriesenen Übungen und Methoden zur angeblichen „Impulskontrolle“. Der Unsinn beginnt schon damit, dass der Hund gelernt haben m u s s, sich auf Befehl zu setzen und sitzen zu bleiben. Warum? Er kann auch stehen, liegen oder gar nichts tun. Bei allen Methoden geht es lediglich darum, dass der Mensch Macht über seinen Hund ausübt. Aber nicht nur bei Hunden wird dieser Unsinn getrieben, auch Kinder haben still zu sitzen, stundenlang, – Impulskontrolle! Wenn ein Kind das gar nicht aushält, lautet die Diagnose ADHS und es wird therapiert auf Teufel komm raus.

Hier werden, auf für den Hund völlig nicht nachvollziehbare Art und Weise die Hauptressourcen des Hundes (Futter) benutzt. Das hat nichts mit Impulskontrolle zu tun, sondern zeugt für den lediglich von der ungeheuren Dominanz, der Macht, des Menschen. Vertrauen zum Menschen bauen solche Methoden nicht auf, Dazu befindet sich der Hund in einer völlig demütigenden Situation!

Hier sollen die Impulse “Futter” und der angebliche “Futterneid” kontrolliert werden. Auch das baut extrem Frust auf – die Folge wird sein, dass eines Tages, für den Menschen völlig unerwartet, Aggressionen (in der Regel gegeneinander) auftauchen, deren Ursache dann meist als “ungeklärt” gilt und weitere “Impuls-Kontrolle-Übungen”, die ebenso sinnlos sein werden, zur Folge haben werden.

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Vor solchen angeblichen Trainingsmethoden kann ich nur warnen! Sie schaden mehr als sie nützen!

Die Fähigkeit, seine Impulse zu kontrollieren, ist endlich – sie kann aufgebraucht werden. Das heißt, jedes Mal, wenn der Hund mir zuliebe seine eigenen Bedürfnisse zurückstellen muss, verbraucht das die Fähigkeit, die Impulse zu kontrollieren. Jedes von uns verbotene Bellen, jede von uns unterbundene oder verlangte Handlung (z. B. “Platz”, “Sitz” usw.) ist eine Impulskontrolle!

Beim Menschen ist das ebenso.

Der Hund muss im Alltag mit uns häufig nicht nur seine Bedürfnisse zurückstellen, er darf keine mehr haben außer Fressen und Trinken und sogar das nur, wenn wir Menschen es ihm gestatten.

Auch das ist ein Fakt, den man sich stets und ständig vergegenwärtigen sollte.

Jetzt stellt sich irgendwann die Frage, ob man „Impulskontrolle“ trainieren, üben muss. Meine Antwort dazu ist ein deutliches „Jain“.

Die meisten Situationen, in denen Hunde sich beherrschen müssen, sind für uns Menschen – mit etwas Achtsamkeit und Aufmerksamkeit – vorhersehbar.

Ein konkretes Beispiel: Man geht mit seinem Hund spazieren. Auf einer Seite des Weges taucht in der Ferne eine Weide mit Kühen auf. Der Hund läuft an einer 5-Meter-Leine (die bitteschön, an einem Geschirr befestigt ist und nicht an einem Halsband). Man sieht die Kühe und nahezu jeder Hund wird nun neugierig und will dorthin.

Die naheliegende Reaktion des Menschen sollte sein, den Hund frühzeitig zu sich rufen, ihn an der kurzen Leine auf Seite der Kuhherde in einem Abstand zum Zaun zu führen. Bleibt der Hund stehen oder zieht zu den Kühen hin, stehenbleiben, anschauen lassen, solange der Hund will, jedoch beim Menschen bleiben.

Nach einer Weile völlig entspannt weitergehen und den Hund erst nach dem Ende der Kuhweide wieder langsam die volle Leine zur Verfügung stellen.

Dass man während der Aktion mit seinem Hund spricht, sollte selbstverständlich sein.

Niemals lässt man einen Hund mit voller Wucht in die Leine springen!

Es ist die Pflicht jeden Hundehalters, vorausschauend zu sein und den Hund vor Schäden zu bewahren. Ideal ist es, wenn man das gleiche auf dem Rückweg wiederholt. So lernt der Hund, seinen Impuls zu kontrollieren, einfach loszustürmen – er lernt, dass sein Mensch ihm Dinge zeigt und erklärt und er lernt, dass er seinem Menschen vertrauen kann.

Das sind die Grundlagen einer korrekten Impulskontrolle, die so trainiert wird, dass der Hund nicht alle Bedürfnisse unterdrücken muss – hier ist der Hund zwar gezwungen, seinen Impuls, loszurennen, zu unterdrücken, jedoch nicht den stärkeren Impuls der Neugierde.

Je häufiger solche oder ähnliche Situationen im Alltag auftreten, umso leichter lernt der Hund, sich selbst zu kontrollieren, indem er seinem Menschen vertraut.

Ist anschließend noch Entspannung angesagt, durch Spiel oder kuscheln, kann der Hund seine Fähigkeit zur Impulskontrolle dadurch wieder aufbauen.

Ich habe in einer ähnlichen Situation auch schon mal die Fähigkeit des Hundes sozial zu lernen, genutzt. Das funktioniert jedoch nur, wenn man zu zweit mit einem Hund unterwegs ist. Man kommt an einer Kuhherde vorbei – in meinem Fall waren es Pferde hinter E-Zaun. Mein Hund wollte natürlich unbedingt dort hin. Meine Tochter hielt den Hund an der Leine und ich ging zum Zaun, tat so, als bekäme ich einen mächtigen Schlag und schrie auf, während ich zurück sprang. Mein Hund erschrak und das Thema war erledigt. Er hatte gelernt, Frauchen hat sich eine gefangen – nah an Pferde heranzugehen, tut weh.

Diese Art des Lernens kann man mit Hunden machen, die einem vertrauen und die nicht durch stupides Training verdummt sind. (und wenn man über ein gewisses schauspielerisches Talent verfügt, denn es muss echt aussehen). Beide Arten der Impulskontrolle funktionieren übrigens auch bei Kindern!

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