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Die kranke Psyche und deren Opfer

by in Uncategorized 20/08/2020

Zunehmend aggressiver werdender Kapitalismus und die zunehmende Diktatur in der Politik bedingt, dass auch die Gesellschaft, der einzelne Mensch, immer aggressiver wird und emotional verroht.

Gewalt prägt unsere sogenannte zivilisierte Gesellschaft, die sich auch noch sozial nennt.

Das agonistische Verhalten (Gesamtheit aller Verhaltensweisen bezeichnet, „die mit Rivalität, Wettbewerb und Konkurrenz verbunden sind) hat sich längst in zwischenmenschlichen und auch in artübergreifenden Beziehungen durchgesetzt. Kinder werden zu kleinen Sadisten erzogen, weil die Gesellschaft (also auch Eltern, Lehrer, Kindergärtner, TV-Moderatoren, usw.) es ihnen vorlebt.

Schon Friedrich Hebbel schrieb 1844 einen Satz in sein Tagebuch, der genauso gut von heute stammen könnte: „Die negative Tugend: der Gefrierpunkt des Ich.“ Hebbel hat die Wandlung von einer traditionalen Gemeinschaft ( Als traditionelle Gesellschaft oder vormoderne Gesellschaft bezeichnen soziologische Theorien eine Gesellschaftsform, die als Vorgängerin der modernen oder modernisierten Gesellschaft gesehen wird – Wikipedia)in eine kapitalistische Gesellschaft hautnah miterlebt.

Er war entsetzt, wie schnell die Menschen innerlich erkalteten und sich entfremdeten. Er hielt das in seinen Dramen und Tagebüchern fest. Die Jahre des Neoliberalismus waren geprägt von Eiseskälte und haben die Menschen selbst eisig werden lassen. Die Gefühle des Menschen wurden förmlich eingefroren. Diese innere Kälte wurde und wird an die Außenwelt weiter gegeben. Es ist ein großer, ein riesengroßer Unterschied, ob man in einer Gesellschaft aufwächst, in der schwachen und nicht so leistungsfähigen Mitmenschen solidarisch beigestanden und ihnen geholfen wird, oder in einer, in der Schwächere der Verelendung preisgegeben und bestenfalls mit Hohn und Spott versehen oder gar gequält und letztendlich getötet, also ausgemerzt werden.

Hört man den Menschen zu, wenn Sie miteinander umgehen, so ist die Sprache beeinflusst von Beleidigungen, bösartigen Anspielungen auf Schwächen des Gegenübers und artet aus in einer Fäkalsprache, die ihresgleichen sucht. Rücksichtslosigkeit wird propagiert und ist den Menschen längst in Fleisch und Blut über gegangen. Der zwischenmenschliche Umgang ist geprägt von bis zur Egomanie gesteigertem Individualismus, Zynismus, Gleichgültigkeit und Feindseligkeit.

Dr. Götz Eisenberg schrieb bereits 2011:

Das Innenleben des allseits kompatiblen und fungiblen Menschen, den Markt, Wirtschaft und Pädagogik propagieren, weist eine große Ähnlichkeit mit dem eines Menschentypus’ auf, den wir heute noch als „Psychopathen“ stigmatisieren und den Gefängnissen und forensischen Psychiatrien überantworten

(fungibel = austauschbar)

Weiter schrieb er:

Wenn hier vom „Psychopath“ die Rede ist, ist nicht die umgangssprachliche Bedeutung gemeint, die darunter einen „durchgeknallten, unberechenbar-brutalen Typ“ versteht, sondern eine psychiatrische Diagnose, die in jüngerer Zeit von den amerikanisch-kanadischen Psychiatern Cleckley und Hare formuliert wurde. Die Diagnosemanuale beschreiben den „Psychopath“ als zur Einfühlung in andere unfähig, oberflächlich charmant, anpassungsfähig, zynisch-kalt, bindungs- und skrupellos und ausschließlich an privater Nutzenmaximierung interessiert

Seit 2011 hat sich dieses Menschenbild drastisch potenziert und längst sitzen die Psychopathen nicht mehr in Gefängnissen sondern haben Machtpositionen inne, sitzen in Banken, Gerichtssälen und in der Regierung.

Wir züchten Psychopathen und Soziopathen, indem wir bereits unsere Kinder mechaniseren. Wir wollen, dass unsere Kinder „angepasst“, „brav“ sind und „funktionieren“. Allerdings ist kaum ein Elternteil in der Lage, dazu durch persönlichen Einsatz, Nervenstärke und Empathie beizutragen, schon allein deshalb, weil sie selbst schon in dieser Richtung erzogen wurden. Anpassung um jeden Preis war und ist die Devise. Die Erziehung wird Maschinen überlassen, Kindergärtnern und Lehrern und somit auch die Kinder dem Einfluss der Eltern größtenteils entzogen. Dadurch wurden und werden bereits in Kindergärten und Schulen die Kids Leistungsdruck, Vereinsamung, Mobbing und Feindseligkeit ausgeliefert. Schon werden psychische Frigidität, Empathie- und Gewissenlosigkeit reproduziert. Kinder, die dagegen rebellieren, werden mit Ritalin ruhig gestellt – nur ja keine Arbeit mit ihnen haben. Ritalin und andere Psychopharmaka sollen das übernehmen, was die Eltern und Umwelt nicht vermögen: die Kinder fit machen für den Kampf gegen die Konkurrenz.

Gerade noch werden meist die physischen Bedürfnisse der Kinder erfüllt, teilweise sogar übererfüllt – die seelischen Grundbedürfnisse bleiben auf der Strecke. Statt „Mama“ oder „Papa“ ist das erste Wort, das die Kleinen aussprechen „Meins“ geworden. Materialistisch werden sie erzogen, sie lernen durch Imitieren, dass alle anderen besser sind, mehr besitzen, modischer sind, mehr Taschengeld bekommen. Sie lernen von den Eltern, was Neid ist und werden neidisch gemacht. Neid ist eines jener Emotionen, die darauf gerichtet sind, anderen Schaden zuzufügen. Neid und Hass liegen nahe bei einander.
Schon lange sind Psychologen und Neurologen dem „Trio Infernale“ der gefährlichen Gefühle – Hass, Neid, Eifersucht – auf der Spur, mittlerweile haben britische Wissenschaftler ein Hirnareal geortet, das diese Gefühle in Gang setzt. Sie wiesen nach, dass zwei Bereiche des Frontallappens im Gehirn mit erhöhtem Stoffwechsel reagieren, wenn der Mensch Hassauslösern ausgesetzt ist. Dieser Erhöhung des Stoffwechsels bereitet den Menschen auf ein Handeln vor, auch auf ein gewaltsames. Sogar die Intensität des Hassgefühls lässt sich messen.

Ursache für Neid und Hass, so haben Wissenschaftler festgestellt, ist Selbsthass (deshalb ist  Hunden die Emotion Neid fremd).

Dieses Phänomen tritt nach Prof. Gruen dann auf, wenn Kinder von Anfang an in ihren Wünschen und Bedürfnissen (seelischen und körperlichen) eingeschränkt werden.

Kinder dürfen nicht so sein wie sie wollen, sie müssen sich anpassen, unterordnen. (Hunde erst recht)

Dadurch fehlt den Kindern die unbedingt nötige Anerkennung der eigenen Emotionen und dies führt schon bei Kleinstkindern zu einer Selbstverleugnung („zur Verleugnung des Selbst“) und geht bis zur Bildung eines „Fremd-Ichs“ zum „Selbstverrat“.

Je stärker der Selbstverrat wird, umso größer wird der psychische Schaden.

Kinder, die solchen Selbstverrat üben, werden zu Erwachsenen, die andere mobben, werden zu psychischen oder gar physischen Sadisten.
In zunehmenden Masse wie der Zwang zum Selbstverrat steigt, steigt auch das Bewusstsein nicht liebenswert zu sein und sie verlernen zu lieben und Liebe ohne Gegenleistung anzunehmen.

 

Aber auch Schuldgefühle können die Kinderseele vergiften. Wenn Eltern lieblos sind, ihr Kind mechanisieren wollen, das Kind und seine Bedürfnisse ignorieren, sucht das Kind die Schuld dafür bei sich. Diese Schuldgefühle potenzieren sich und begleiten das Kind ein Leben lang.

Wird der Mensch von Selbsthass getrieben, reagiert er sich entweder an Schwächeren ab (verbal oder körperlich) oder er lernt bereits früh, dass er Liebe empfängt, wenn er sich anpasst. In beiden Fällen ist eine Gefühlskälte und Empathielosigkeit die Folge.

Dieser Selbsthass des Menschen, die mangelnde Empathiefähigkeit machen auch vor der Psyche des Hundes nicht Halt. Der Hund, der auf den Menschen angewiesen ist, wird ebenso mechanisiert, muss funktionieren, sich anpassen oder wird bestraft. Auch er wird mit Liebesentzug, mit dem Entzug von Ressourcen und der völligen Ignoranz seiner seelischen Bedürfnisse in ein Korsett gezwungen, dass ähnliche psychische Folgen hat wie beim Menschen: der Hund wird aggressiv oder depressiv bis hin zur völligen Unterwerfung mit absoluter Teilnahmslosigkeit.

Das Phänomen der Selbstverleugnung und des Selbsthasses hat quasi mit der Industrialisierung begonnen und wird weiter fortgeführt. Mittlerweile leben wir in einer Gesellschaft, die sich aufteilt in die Mehrheit der „Angepassten“, den etwas wenigeren „Sadisten“ und der Minderheit der selbstsicheren, zufriedenen und aggressionslosen Menschen.

Johann Wolfgang von Goethe schrieb:

Der Hass ist ein aktives Missvergnügen, der Neid ein passives

Das ist auch der Grund dafür, dass Neid so schnell in Hass umschlägt. Auch dem Neid liegt ein falsches Selbstbild zugrunde, ein Minderwertigkeitsgefühl.

Geht es den Neidern vordergründig darum, dass andere mehr materiellen Besitz haben, so ist es doch so, dass sie den anderen um die Zufriedenheit beneiden, die mit dem materiellen Besitz einher zugehen scheint. Der Neider ist mit sich selbst unzufrieden und hält den anderen für wertvoller, weshalb er alles daran setzt, dass dem Beneideten schlecht geht und schreckt dabei weder vor Verleumdung, Mobbing noch vor tätlichen Angriffen zurück.

Die Eifersucht ist die Emotion des doppelten Gefühls: der Zweifel an sich selbst und der Zweifel an dem anderen Menschen. Auch hier ist die Ursache in frühester Kindheit zu suchen, der Mensch hält sich selbst für nicht liebenswert.

 

Wenn Du nun Parallelen findest, zu Dir oder zu Bekannten, dann ist das sicher nicht rein zufällig.

Vielleicht lohnt es sich ja, einmal sich selbst, seine Ansichten, Gewohnheiten und seinen Lebensstil kritisch zu überdenken?

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