Bindung & Hund

by in Uncategorized 21/09/2021

Ein Artikel von Steffi von „Therapeutische Hunde Berlin"

Der größte Wunsch der Hundehalter ist es, eine „gute“ Bindung zu seinem Hund zu haben. Denn das ist tatsächlich das, wozu die meisten Halter Antworten suchen. Und Social Media bringt genau da die Klicks, weshalb dies nahezu von allen Hundetrainern angesprochen wird. Und nahezu nie weiß auch nur einer dieser Trainer, was dies wirklich bedeutet, beinhaltet, geschweige denn, wie man diese aufbaut. Man wirft mit den Begrifflichkeiten Bindung, Beziehung, Erziehung, manchmal sogar in einem einzigen Satz, umher.

Was wir sehen, ist, dass man den Aufbau einer (sicheren) Bindung nahezu immer mit Futter oder auch dem Verdienen von Beachtung / sozialer Nähe verbindet – sei es mit reiner Konditionierung oder auch der sogenannten “Handfütterung”.

Der Mensch wird mit Futter zum Futterautomaten degradiert, der Hund bleibt damit aber in der “Angst” (Erwartungshaltung) ein Futterstück zu verpassen, augenscheinlich in der Nähe zum Hundehalter. Für mich eine gewollte Abhängigkeit und / oder klammert man sich an Lerntheorien – wie „positiver Verstärkung“ fest? Abhängigkeit bringt Kontrolle mit sich und genau deshalb klappt die Augenwischerei oft. Und das ist das, was alle Hundehalter wollen, machen wir uns nichts vor. Was wir kontrollieren können, bringt uns Spaß und mentale Sicherheit im Alltag.

Aber auch der Trend fällt auf, dass hier und da kleine Teile eines Riesenrades, welche sichere Bindung auch entstehen lassen, erwähnt werden, aber nie das große Ganze. Es wird auf Internetseiten von „Kontaktliegen fördert die Bindung“, „gemeinsame Spaziergänge – sich interessieren für die Hundewelt“, sogar von schützenden „Ankermenschen“ gesprochen. Zu gleichen Teilen wird dann aber auch gleich wieder konditioniert und der unbedingte Gehorsam erwähnt – also wieder alles sprichwörtlich vom einem Elefanten im Porzellanladen zertrampelt, wenn denn was entstanden wäre.

Denn der Hund bzw. sein Gehirn kann sich durch vieles Konditionieren nicht entwickeln und geforderter Gehorsam in jeder Situation wird vom Hund aus seiner Sicht nicht verstanden und macht uns in der Reaktion für ihn zu einem unberechenbarem, nicht nachvollziehbarem Halter. Sichere Bindung kann also gar nicht entstehen.

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Vor dem Studium zum Traumafachberater bin ich schon durch Zufall über zwei Trainer, die sich wirklich mit der Bindungstheorie von Bowlby und Ainsworth auseinandersetzten, gestolpert und auf das Thema aufmerksam geworden. Das regte die Überlegung an, warum die einen Hunde denn irgendwie „funktionierten“ und die anderen „Probleme“ machten. Was tun wir denn so genau, wenn wir keine Leckerli in der Tasche haben und der Hund trotzdem gern bei uns ist? Ist es seine grundsätzliche Anpassungsfähigkeit, sein Wollen zum Kooperieren, welche im Laufe der Evolution entstanden sind oder die Suche aller Lebewesen nach Bindung, welche schlicht dem Überleben dient?

Selten, aber tatsächlich zu finden, ist die richtige Aussage: “Bindung entsteht nicht über Nacht und man kann sie nicht erzwingen oder trainieren”.

 

In Internetauftritten wird immer von Bindung und Beziehung gesprochen, aber niemand erwähnt, dass die Hunde immer eine Bindung eingehen.

Es wird von „tiefer“ „fester“ oder „guter“ Bindung gesprochen. Die 4 Bindungsformen werden gar nicht bis selten erwähnt und vor allem, warum denn andere entstehen als die sichere Bindung. Und dass es bei alledem hier um die Qualität der Bindung, nämlich die sichere Bindung, geht. Und vor allem, wie man sie erreichen kann.

Auch von einer fünften Bindungsform, der (einfach) unsicheren Bindung, wird in einem Internetfund gesprochen, welche sich aber inhaltlich meiner Meinung nach in den anderen unsicheren Bindungsformen wiederfindet und in der Wissenschaft so nicht erwähnt wird.

 

Zur sicheren Bindung findet eine andere Trainerin für die Hundehalter indessen Worte… Sie erwähnt endlich mal das Wort Bedürfniserfüllung.

Sie spricht von Futter, Fürsorge und Schutz, sie verwendet Worte wie wohlwollend und ehrliche Wertschätzung.

Mit ihrer Umkehr, wie sichere Bindung nicht entsteht, möchte sie wachrütteln, Hundehalter „abholen“, welche noch im alten groben Umgang mit dem Hund hängen.

Manche Internetauftritte trauen sich auch schon an den Vergleich Kind-Hund heran, aber immer mit zaghaften Worten wie „kann“, obwohl es dazu glasklare Studien gibt. Ich kann mir nicht erklären, warum es so schlimm ist, den Hund im Rahmen der Fürsorge, denn er ist nun mal von uns abhängig, mit einem 2 bis 3 ½ jährigen Kind zu vergleichen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Menschen dazu immer etwas Falsches im Kopf haben und es wieder um den „Kinderersatz“ und das Vermenschlichen geht, was es ja nun einmal nicht ist.

 

Das Entstehen einer sicheren Bindung einem Hundehalter zu erklären, ist gar nicht so einfach. Ja, man kann es runterbrechen und ihm sagen, der Hund hat Rechte, denn er ist wie ein Kleinkind auf uns angewiesen! Ein Recht auf Bedürfniserfüllung – Recht auf Essen, Recht auf Schlaf, Recht auf Schutz und Recht auf soziale Nähe, ohne dafür gehorsam zu sein.

Aber es muss noch weitaus tiefer erklärt werden und dann kommt man schon mit Erklärungen ins Wanken. Denn für mich persönlich ist es ein Gefühl aus dem tiefsten Inneren, dem Verständnis und großen Respekt für das, was uns umgibt, wie es eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Wir haben erfahren, dass die sichere Bindung aus den Säulen Feinfühligkeit, Berechenbarkeit und Verhalten der Bindungsperson entsteht.

Feinfühligkeit wurde geprägt von Mary Ainsworth im Rahmen der Mutter-Kind-Bindung.

Als feinfühliger Mensch erkennt man, wenn andere Menschen Probleme haben oder Hilfe benötigen, und bietet ihnen auch Hilfe an, sagt die Definition.

Mir reicht das nicht, denn für mich gehört zum Feingefühl auch emotionale Intelligenz, also Empathie, auch wenn dies extra definiert ist.

Wie soll man Hundehalter dazu bewegen, die Gefühle und Bedürfnisse ihres Hundes zu erfassen, wenn sie in der heutigen Gesellschaft weder die Gefühle ihrer Mitmenschen noch ihrer eigenen erfassen können?

Forschungsergebnisse sagen, Feinfühligkeit könne man lernen und durch Umfeld auch wieder verlernen. Das heißt für mich, das ist genau das, was man dem Hundehalter beibringen muss.

Eine schwierige Säule, weil Menschen sehr unterschiedlich sind, sich selten in die Karten gucken lassen und sich durch „veraltete Zöpfe“, die immer noch umhergeistern, beeinflussen lassen. Und teilweise sogar noch damit groß geworden sind „Meine Eltern haben das immer so gemacht“.

Der Druck und die Scham, wenn der Hund nicht so funktioniert, sind täglich noch auf jedem Hundeplatz / in jeder Hundeschule zu spüren und zu beobachten.

Und die Angst der Hundehalter, dass Ihnen jemand sagt „Dein Hund hat keine Bindung zu dir“ schwebt über allem.

www.therapeutische-Hunde-Berlin.de